Coaching ist heute allgegenwärtig. Gefühlt gibt es in jedem Bereich Coaches: Life Coaches, Business Coaches, Beziehungs-Coaches, Ernährungs-Coaches, Führungskräfte-Coaches und viele mehr. Doch was steckt wirklich dahinter? Ist Coaching ein essenzielles Hilfsmittel für persönliche und berufliche Entwicklung oder ist es nur ein Trend, der von zu vielen selbsternannten Experten genutzt wird?
Ich selbst habe im Rahmen meiner Weiterbildung eine Coaching-Ausbildung durchlaufen. Bereits damals hat mich das Thema ambivalent zurückgelassen. Der oberste Leitsatz war: "Ein Coach hört zu, stellt Fragen, bringt aber keine Lösungen oder Lösungsvorschläge – denn die Lösung liegt im bzw. beim Coachee." Das klingt grundsätzlich vernünftig und entspricht der Coaching-Philosophie. Aber je länger ich mich mit dem Thema befasste, desto mehr stellte ich mir die Frage: Ist das wirklich ausreichend? Und wofür brauche ich dann einen Coach, wenn ein guter Freund das theoretisch auch könnte?
Tatsache ist: Viele Freunde neigen dazu, sofort Ratschläge zu geben, statt einfach zuzuhören. Hier zeigt sich der Unterschied – doch bedeutet das, dass jeder, der gut zuhören und Fragen stellen kann, ein Coach ist? Wohl kaum.
Die Coaching-Branche ist weitgehend unreguliert. Viele Anbieter versprechen, dass man innerhalb weniger Wochen oder Monate eine Coaching-Zertifizierung erwerben und direkt auf Menschen "losgelassen" werden kann. Doch reicht eine kurze Ausbildung wirklich aus, um Menschen in ihren komplexen Herausforderungen zu unterstützen?
Ein Kerngedanke des Coachings ist, dass der Coach keine Lösungen vorgibt, sondern durch gezielte Fragen den Klienten zur eigenen Erkenntnis führt. Theoretisch ist das sinnvoll – doch wird dies in der Praxis immer richtig umgesetzt? Und ist das für jeden Bereich ausreichend? Manche Menschen suchen nicht nur Reflexionsräume, sondern auch Impulse und Expertise. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen Coaching und Beratung. Ein Consultant bringt Fachwissen mit, während ein Coach eher als Sparringspartner fungiert.
Ein besonders fragwürdiger Aspekt ist, dass viele Coaches in Bereichen tätig sind, in denen sie selbst kaum Erfahrung haben. Ich dürfte nach meiner Coaching-Ausbildung theoretisch Paarcoachings anbieten – dabei bin ich selbst seit Jahren in keiner stabilen Beziehung. Bin ich da der Richtige? Wohl kaum.
Genauso sehe ich es in der Business-Welt: Ein Führungskräfte-Coach, der nie selbst eine Führungsposition innehatte? Oder wenigstens in einem größeren Unternehmen tätig war?
Diese Beispiele zeigen, dass der Begriff "Coach" oft zu leichtfertig vergeben wird. Nur weil jemand eine Ausbildung absolviert hat, bedeutet das nicht automatisch, dass er die Praxis dahinter versteht oder über die notwendige Erfahrung verfügt, um andere zielführend zu begleiten.
Trotz aller Kritik ist Coaching in vielen Situationen wertvoll. Doch wie findet man den richtigen Coach? Hier sind einige Aspekte, die beachtet werden sollten:
1. Zertifikate und Qualität:
2. Ethik im Coaching:
3. Psychologische Verantwortung:
4. Das richtige Coaching für den richtigen Zweck:
Coaching ist nicht per se schlecht – im Gegenteil, es kann ein wertvolles Werkzeug für persönliches und berufliches Wachstum sein. Doch es ist wichtig, die Qualität und Seriosität von Coaches genau zu hinterfragen. Meine eigene Erfahrung hat mir gezeigt, dass nicht jeder Coach die nötige Qualifikation oder Lebenserfahrung mitbringt, um wirklich Mehrwert zu bieten.
Wer nach einem Coach sucht, sollte sich nicht von schönen Worten blenden lassen, sondern auf Qualifikationen, Erfahrung und eine klare Abgrenzung zwischen Coaching, Beratung und Therapie achten.
Am Ende sollte Coaching nicht nur ein Modebegriff sein, sondern eine echte Unterstützung für Menschen, die sich weiterentwickeln möchten – und das mit den richtigen Experten an ihrer Seite.